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Hospiz Konstanz e.V.
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Trauernde Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche trauern anders als Erwachsene.

Wir bieten Kindern zwischen 8 und 12 Jahren eine Gruppe für trauernde Kinder. Lesen Sie hier mehr.

Für Jugendliche, die mit Trauer, Tod und Trennung konfrontiert sind, bieten wir einen einen Workshop “los(t)” mit den Medien Tanz, Theater und Text. Hier mehr lesen. 

Die Gruppe für trauernde Kinder gibt es bereits seit Jahren. Dieses Angebot hat sich sehr bewährt. Über ein passendes Angebot für Jugendliche, die sich mit Abschied, Trennung, Tod, Trauer, Suizid etc. auseinandersetzen (müssen),  denken wir schon lange nach. Gesprächsrunden, Therapie, Beratung etc. sind erfahrungsgemäß keine Formen, die bei Jugendlichen Interesse wecken. Deshalb haben wir für Herbst 2015 das Pilotprojekt los(t) ins Leben gerufen. Wenn es sich bewährt, wird es zu den regelmäßigen Angeboten der Kinder- und Jugendhospizarbeit im Landkreis zählen.

Wie können Sie Kinder in Bezug auf Trauer unterstützen/begleiten?

Bevor das Kind selber einen schlimmen Verlust erleidet:

Auch Kinder sind Abschied, Verlust, Trennung, Tod und Trauer im Alltag ausgesetzt. Schon früh kann man daher mit ihnen über diese Themen reden. Es ist gut, wenn Kinder erfahren, dass darüber gesprochen werden darf, dass es kein Tabu ist. Nach dem altersentsprechendem Todesverständnis sollte behutsam jede Gelegenheit genutzt werden, Trauern um einen Verlust einzuüben, wie z. B. beim Tod eines Haustiers  oder in der Natur. Hier kann ein kleines Ritual vollzogen werden, damit Kinder in der Lage sind, größere Verluste zu bewältigen.

Aufschlussreich für Kinder und Begleiter ist immer ein Gang über den Friedhof, bei dem sich viele Fragen ergeben, insgesamt gilt:

  • Alle Fragen müssen aufrichtig beantwortet werden, auch und gerade dann, wenn man keine konkrete Antwort hat, wie z.B. Fragen nach dem Verbleib des Toten, der Seele, den Engeln..,
  • Kinder fragen sehr genau und erwarten ehrliche Antworten, die ihnen zeigen, dass sie ernst genommen werden. Ehrlich ist auch ein „Ich weiß es nicht…“
  • Auch wenn jemand in der Familie, der Nachbarschaft, ganz allgemein im Umfeld des Kindes stirbt oder gestorben ist, sollte es unmittelbar informiert werden.

 

Wenn ein Kind eine Menschen verloren hat

  • Informieren, was passiert
    Für Kinder ist das Verhalten trauernder Erwachsenen in ihrer Ratlosigkeit, oft auch Hektik, nicht zu verstehen. Es ist gut, ihnen zu erklären, was passiert ist, dass auch Erwachsene durcheinander und traurig sind und jetzt trotzdem viel organisieren müssen. Kinder sollten eingeweiht werden, was geschieht (z.B. bei einer Beerdigung) und vielleicht dazu angehalten, sich zu beteiligen (dem Verstorbenen noch ein Bild malen/einen Brief schreiben/ein Kuscheltier mitgeben o.ä.).
  • Erklären, was Sterben und Tod bedeutet
    Ungefähr mit sechs Jahren fängt ein Kind erst an, zu begreifen, dass der Tod etwas Endgültiges ist. Die Endgültigkeit sollte daher klar gemacht werden und erklärt werden, z.B.  dass der Gestorbenen nie mehr erwacht, nie mehr zurück kommt. Unsere Sprache darf nicht zweideutig sein, sondern klar und angemessen. Umschreibungen sind nicht sinnvoll sondern führen oft genug zu Phantasien und Ängsten, z.B. „Papa ist auf einer langen Reise…“, „Wir haben Julia verloren..“, „Sie ist von uns gegangen…“
    Auch wenn wir früh vermitteln wollen, dass Tod und Sterben zum Leben gehören, müssen Kinder sicher sein, dass die betreuenden Erwachsenen im Normalfall nicht sterben, bevor sie selbst erwachsen sind. So ist es ja auch in der Realität, der frühe Tod eines Elternteils oder Geschwisters ist eine absolute Ausnahme.
    Aber, auch Kinder sterben leider manchmal. Daher ist es für Kinder wichtig, zu wissen, dass ein Kind nur stirbt, wenn es sehr krank ist oder einen Unfall hatte. Sie erleben auch  in ihrem Umfeld, dass die allermeisten Kinder erwachsen werden.
  • Achtung: Schuldgefühle
    Ein großes Problem für ein Kind können Schuldgefühle sein.  Egal ob noch im magischen Alter (Bis ca 5 Jahren oder später, praktisch alle Kinder fragen sich, ob sie Schuld am Tod des Verstorbenen haben, ihn hätten verhindern können o.ä. Sobald der Begleiter das spürt, sollte er das behutsam ansprechen und das Kind entlasten. Meistens sind es Fantasien, die man entkräften kann.
  • Den Toten sehen
    Den Toten zu sehen – wenn sie das wollen – hilft den meisten Kindern, zu verstehen. Wenn ein Kind den Wunsch hat, sollte es daher dabei unterstützt werden. Allerdings nicht alleine, sondern mit einer einfühlsamen und zugewandten Begleitung, die sich das selber zutraut und Zeit hat. „Begreifen durch Greifen“, das gilt auch hier. Hält man ein Kind ängstlich vom Verstorbenen fern — womit man oft die eigene Angst zu bekämpfen sucht – nimmt man dem Kind eine Chance, zu reifen. Manchmal treibt die Kinder auch eine gesunde kindliche Neugier an.
  • An der Beerdigung teilnehmen
    Wenn irgend möglich, sollte das Kind an der Beerdigung teilnehmen – noch besser, sich daran beteiligen (Kerze anzünden, Blumen legen o.ä.)  Auch bei einer Beerdigung sollte für jedes Kind eine Begleitperson dabei sein, die sich ganz dem Kind widmen und auf seine Fragen und Bedürfnisse eingehen kann. Das muss nicht unbedingt ein Verwandter sein.
  • Ernst nehmen
    Das, was trauernde Kinder am dringendsten brauchen, ist, Anteilnahme, Wahrgenommen zu werden, Einfühlungsvermögen und — Zeit. Sie müssen spüren, dass sie ganz ernst genommen werden in ihrer Trauer.
  • Verhaltensweisen erkennen
    Kinder zeigen unterschiedliche Verhaltensweisen in ihrer Trauer. Manche ziehen sich zurück und reden kaum. manche halten krampfhaft am Alltag und an Banalitäten fest, lenken sich ab und wenden sich nach außen, einige versuchen mit Witzen und Kalauern ihre Gefühle zu überspielen und nicht selten zeigen Kinder ihre Trauer durch Wut und Ärger. Alles sind sinnvolle Bewältigungsstrategien und brauchen Verständnis.
    Bestätigende Sätze „ich verstehe, dass du wütend/traurig/ängstlich bist, das wäre ich auch, wenn mein Papa gestorben wäre“ zeigen dem Kind, dass es normal ist – nur seine Situation unnormal.
  • Erinnerungen pflegen
    Die Erinnerung an den Toten löst Gefühle aus, die die Überwindung des Verlustes unterstützen. Fotos, Filme sind geeignet, sie wecken Gefühle, ebenso wie Orte, Plätze, an denen sie Zeit mit dem Verstorbenen verbracht haben. Kleider, Gerichte, Gerüche rufen Verbindung zurück. Gerade wenn das Kind sich selbst wenig erinnern kann , weil es z.B. noch sehr klein war, sind Erzählungen über den Toten, was er gesagt oder gedacht hätte, wie stolz er gewesen wäre oder wie ähnlich das Kind ihm ist, sehr hilfreich.
  • Wenn ein Elternteil stirbt
    – egal ob nach schwerer Krankheit oder plötzlich durch Unfall, Suizid… – bleiben Kinder mit dem anderen Elternteil „übrig“. Die Kinder/Jugendlichen sind mit einem schwer trauernden Elternteil konfrontiert. Oft nehmen sie Rücksicht und muten oder trauen dem hinterbliebenen Elternteil ihre eigene Trauer nicht zu. Für Kinder mit einem trauernden Elternteil ist es sehr entlastend, wenn sie sehen, dass sich die Erwachsenen auch um sich selber kümmern und wenn sie erleben, dass es entlastend ist, sich Hilfe zu holen.

Um die Eltern in dieser Situation zu unterstützen, bieten wir einmal im Jahr einen Tag für jung(e) Verwitwete an.

Wenn Sie Fragen haben, dann melden Sie sich bitte bei uns!